Arnold Zweig

Keiner hat wie er das erste deutsche Jahrhunderttrauma in Literatur umgemünzt

In eine jüdische Kaufmannsfamilie wurde Arnold Zweig 1887 in der schlesischen Stadt Glogau geboren. Noch vor seinem 10ten Geburtstag verlässt die Familie Glogau, als jeglicher Handel mit jüdischen Kaufleuten durch den Glogauer Festungskommandanten untersagt wurde. Familie Zweig zieht nach Kattowitz und versucht sich dort eine neue Existenz aufzubauen. In seiner ersten „Novelle Die Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer” erzählt Arnold Zweig über die Athmosphäre dieser Zeit. Es sind die ersten Versuche den der Familie angedachten Antisemitismus zu verarbeiten. Arnold Zweig bekannte sich Zeit seines lebens zu seinem Judentum, auch wenn er schon früh seinen religiösen Glauben verlor. in einem Brief an seine Eltern schreibt er 1908 als Student „Ich merke erst recht jetzt, wie aufrichtig ich nicht an Gott glaube, wie sicher ich vielmehr weiß, fühle, dass es keinen gibt... Man ist ganz allein.”.

Arnold Zweig - Verklungene Tage Seine siebenjährige Studienlaufbahn beginnt mit der bestandenen Reifeprüfung an der Breslauer Universität. Studienfächer waren Germanistik, Philosophie, Psychologie, Kunstgeschichte, moderne Sprachen und Nationalökonomie in Breslau. Von dem Philosophen Friedrich Nietzsche ist der angehende Schriftsteller besonders beeindruckt und auch der Neokantianismus beeinflusst ihn. Ihm verdankte er die ganze geistige Umgeburt und Atmosphäre seiner Jugend. Ein Jahr später (1908) geht Arnold Zweig über München, Berlin, Göttingen nach Rostock und Tübingen. Über seine Zeit in der bayrischen Hauptstadt schreibt Arnold Zweig im literarisches Bild der Erinnerungen „Versunkene Tage”. Das Manuskript zu diesem Werk blieb jahrelang unvollendet, im Jahr 1933 konnte es im letzten Moment aus seinem Haus in Berlin vor den SA-Plünderern in Sicherheit gebracht werden. Später in Palästina erinnert sich Arnold Zweig voller Melancholie an die glücklichen Momente in München. Eine spätere Neufassung des Werkes wurde 1850 unter dem Titel „Verklungene Tage” verlegt.

In den Sommermonaten des Jahres 1910 schrieb der Student Arnold Zweig an den in Novellen zerlegten Roman „Novellen um Claudia”, dieser erschien dann zwei Jahre später. Die „Novellen um Claudia” basieren auf einen intensiven Briefwechsel zwischen dem Ehepaar Arnold und Beatrice Zweig sowie Helene Weyl. Dieser Briefwechsel bestand von 1912 mit Unterbrechung in den Jahren 1934-38 bis 1939. Beatrice und Helene waren das Vorbild für die Hauptfiguren in den „Novellen um Claudia”. Die fragmentarisch erhalten gebliebenen Korrespondenzen erschienen 1996 unter dem Titel „Komm her, wir lieben dich – Briefe einer ungewöhnlichen Freundschaft zu dritt”. In die gleiche Zeit fallen die „Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer”, wo sich Arnold Zweig vornehmlich jüdischen Themen zuwandte.

Zu der Zeit in Göttingen lernte Arnold Zweig Helene Josep kennen mit der er Briefwechsel steht. Diese Briefe geben einen Einblick in Gedankenwelt Zweigs und spiegeln private und künstlerische Krisen wieder. Der verborgende Konflikt zeigt sich in den Worten, dass er in Rostock niemanden hätte. In Berlin beginnt Arnold Zweig eine Beziehung zu seiner wohlsituierten, aus einer preußischen Familie stammend, Cousine Beatrice Zweig. Die Eltern von Beatrice lehnten das Verhältnis zu dem wenig bedeutenden Dichter ohne richtige Ausbildung ab und bringen ihm gegenüber Misstrauen zum Ausdruck. In der Beziehung zu Beatrice Zweig begleitet ihn auch der innere Protest gegen seinem Herkunftsmilieu. Für den fertiggestellten Roman „Ritualmord in Ungarn” erhält Arnold Zweig 1915 den Kleistpreis.

Auszug aus dem Adressregister Berlins Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erhält Arnold Zweig 1915 seine Einberufung zum Kriegsdienst. Die Dienstzeit in der Armee führt Arnold Zweig über Flandern nach Ungarn und Serbien. Im Anschluss wurde sein Regiment an die Westfront um Verdun. Die Sinnlosigkeit des Krieges ist der Beginn der langsamen Etablierung seiner sozialistisch-, antimilitärischen Position. Noch während der Kriegszeit heiratet Arnold Zweig seine Cousine Beatrice. Aus der Ehe gehen später die Söhne Michael (1920) und der spätere Schweizer Psychiater Adam (1924) hervor. Während der Kriegsjahre, unter dem Eindruck des kriegerischen Infernos wandte sich Arnold Zweig vom preußischen Patrioten ab und wurde zum Pazifisten. Abkommandiert an die Ostfront lernte Zweig unter bleibenden Eindruck das Ostjudentum kennen. Das Buch „Das ostjüdische Antlitz”, eine Apologie des Ostjudentums gilt zugleich als Zweigs Engagement für einen „zionistischen Sozialismus”. Dieses Werk entstand in Zusammenarbeit mit dem Maler Hermann Struck.

Nach Berlin kehrt Zweig 1918 wieder zurück, aber mit tiefen seelischen Verstörungen. Er ist oft angespannt, depressiv und es kommt zu emotionalen Ausbrüchen, die das Familienleben belastete. Der Krieg machte aus Zweig einen preußischen Antidemokraten und hellsichtigen Deuter des Untergangs der humanistischen Werte.

Die junge Familie Zweig beschließt nach Bayern zu ziehen und ließen sich ein Jahr später am Starnberger See nieder. Zweig erhielt zu dieser Zeit lediglich ein bescheidenes Honorar für journalistische Arbeiten das zum Leben kaum reichte. Zweig hoffte in der ihm vertrauten Umgebung seine Depressionen zu überwinden und neue schöpferische Kräfte aufzubringen. Als freier Schriftsteller befasst sich Zweig mit der Problematik von Judentum und Zionismus. Zweig bringt in zeitkritischen, humanistisch gefärbten Essays seine Kriegserlebnisse und Nachkriegserfahrungen in der Weimarer Republik klar zum Ausdruck. In dieser Zeit entwickelte sich eine Freundschaft mit Lion Feuchtwanger und Sigmund Freud. Der Roman „Einsetzung eines Königs” ist seinem Freund Sigmund Freud gewidmet. Arnold Zweig bekannte sich nun zu einem humanistisch geprägten Sozialismus, sie machten ihn zum Feindbild für rechtsextreme und antisemitische Parteien. Seine Pläne am Starnberger See durchkreuzten dann antisemitischen Ausschreitungen der NSDAP in München die Pläne Zweigs und sie zogen wegen persönlicher Bedrohung durch anonyme Schmähschriften zurück nach Berlin.

Jüdische Rundschau 1933 In Berlin arbeitet Arnold Zweig bei der „Jüdischen Rundschau” als Redakteur und später als freier Schriftsteller. Als Aktionär beteiligt sich Arnold Zweig 1923 an der Gründung der Jüdisches Künstlertheater AG. Mit dem Roman „Der Streit um den Sergeanten Grischa” gelingt Arnold Zweig 1927 der Durchbruch mit dem ersten deutschen Antikriegsroman. Dieser handelt von der Demaskierung über das Wesen des imperialistischen Raubkrieges durch den preußischen Machtapparat. Stilistisch zwischen Expressionismus und neuer Sachlichkeit, gestaltet der Roman den Zusammenprall zwischen säkularisiertem Judentum und ostjüdischer Frömmigkeit, zwischen aufgeklärter preußischer Tradition und wilhelminischem Kadavergehorsam – vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs des Kaiserreichs. Weitere Romane wie „Der große Krieg der weißen Männer”, „Junge Frau von 1914”, „Erziehung vor Verdun”, „Einsetzung eines Königs”, „Die Feuerpause” und „Die Zeit ist reif” vervollständigen den Kriegszyklus. Die Welt schreibt 2016:

»Zweigs Fernanalyse der Nazidiktatur, seine Prosa ist hinreißend, kristalline Genauigkeit und Recherche verpaaren sich mit rhetorischem und Handlungsschwung, sorgsam aufgebaute Tragik und Schicksal mit warmer humanistischer Ironie, die Sektion der wilhelminischen Gesellschaft ist ihm ein leichtfüßiges Märchen mit Bombentrichtern drin.«

Nach Plänen des Architekten Harry Rosenthal ließ sich die Familie Zweig in den Jahren 1930-31 in der Berliner Siedlung Eichkamp ein Atelierhaus bauen. Die Zeiten in Deutschland überschlagen sich, mit Machtübernahme Hitlers bedeuten für den engagierten Pazifisten erneut Gefahren, Zweigs Bücher werden öffentlich verbrannt. So treffen die Eheleute Zweig die Entscheidung 1933 Deutschland zu verlassen. Über die grüne Grenze zur Tschechoslowakei flohen sie weiter nach Prag, in der Hoffnung bald nach Deutschland zurückzukehren. Diese Hoffnung zerschlug sich mit dem Verbrennen seiner Bücher und der Eintragung in die Liste er für Deutschland schädlichen Autoren. Es blieb nur der Weg ins Exil, welches nach Sanary-sur-Mer an die französische Mittelmeerküste führte. In der dort gebildeten Exilgemeinde deutscher Intellektueller, die vom Hitler-Reich vertriebenen worden geht es vorrangig um die Dauer und Folgen der Naziherrschaft. An diesem Ort traf er u. a. Anna Seghers, Berthold Brecht, Thomas Mann und Lion Feuchtwanger. Im gleichen Jahr trifft er dann den Entschluss, seine neue Heimat in Palästina zu suchen und teilt seinen Entschluss Helene Weyl mit. Auf seine bereits in Tel Aviv angekommenden Familie trifft Arnold Zweig im Dezember 1933.

Siegmund Freud - Lithografie von Hermann Struck Im Exil fühlt sich Arnold Zweig als Schriftsteller wenig anerkannt, auch unterliegt die Beziehung des Schriftstellers zu dem Land und seinen Menschen heftigen Schwankungen. Er leidet unter der wachsenden Fremdheit aufgrund der Tatsache, dass er kein Hebräisch beherrscht und wegen der verwendeten deutschen Sprache als faschistisch abgestempelt wird. Schon bald gerät er in Konflikt mit national-jüdischen Gruppen, die sowohl die deutsche wie auch die jiddische Sprache ablehnten. Zweig publizierte in der deutschsprachigen Zeitschrift „Orient„, welche wegen der für die „Hebräisierung„ eintretende, anti-arabische Nationalisten Opfer eines Bombenanschlags auf die Redaktion wurde. Die Zeitschrift wurde schließlich eingestellt.

»Ich ging in die Emigration, weil ich als freier Schriftstell gegen die Vergewaltigung des Geistes, die Verhetzung der Völker, die Ausbeutung der arbeitenden Klassen, die Unterdrückung des freien Denkens und die Zerstörung der persönlichen Würde gearbeitet habe, seit ich 1911 mein erstes Buch erschienen ließ.«

Während der Zeit in Palästina und seinen Reisen durch Europa steht Zweig im brieflichen Kontakt zu Sigmund Freud. Er schreibt, dass er sich nichts mehr aus dem Lande seiner Väter mache und er sich gegen das Dasein in Palästina sträube. In seinen Briefen an Freud bringt er zum Ausdruck, dass „der hebräische Nationalismus der Hebräer, die keine andere Sprache öffentlich zum Druck zulassen”. Arnold Zweig stellt in seinen Briefen Fragen über Fragen zu seiner Daseinsform. Der zwölf Jahre währende, umfangreiche Briefwechsel sowie das Manuskript „Freundschaft mit Freud. Ein Bericht” zeigen die tiefe Freundschaft zwischen Zweig und Freud. „Ich habe einen wahrhaft Weisen gesehen, ich habe Sigmund Freud gekannt”, waren die Worte von Arnold Zweig zu seinem Seelenverwandten der 1939 im Londoner Exil verstarb. Arnold Zweig vollendet den Bericht „Freundschaft mit Freud” 1962 in einem Roman.

Die gesellschaftliche Isolation im Exil, seine scharfe Kritik an der stark nationalistischen und antiarabischen Haltung der jüdischen Bevölkerung Palästinas sowie das Abgeschittensein vom deutschen Kulturgeschehen quälen den Schriftsteller zusehnst. Die Trennung von seinem literarischen Umfeld wurde für die Existenz der Familie Zweig in Palästina auch wirtschaftlich unhaltbar. Als einer der Gründer des Hebräischen Weltbundes in Berlin, gehört es zur Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Zweig an der hebräischen Sprache in Palästina seintert. Arnold Zweig engagiert sich verstärkt für den Sozialismus und wendet bald enttäuscht vom Zionismus ab. Durch die Verbindung zu Feuchtwanger und anderen Linksintellektuellen publizierte Arnold Zweig in antifaschistischen Publikationen wie der „Neuen Weltbühnerdquo; und der „Deutschen Volkszeitungrdquo;. In Deutschland wird Arnold Zweig in Abwesenheit ausgebürgert und sein Vermögen wurde beschlagnahmt. Bekanntgemacht wurde dies im „Deutschen Reichsanzeigerrdquo; und „Preußischer Staatsanzeigerrdquo; vom 3. März 1936.

Aus gesellschaftliche Isolation und seiner finanziellen Lage heraus denkt Zweig 1939 über eine Remigration nach, erwägt aber auch eine Auswanderung in die USA nach. Während eines Kongresses in New York führt er u. a. Gespräche mit Albert Einsein und Thomas Mann und versucht zu amerikanischen Verlegern Kontakte herzustellen. Sein Vorhaben der Remigration bzw. Auswanderung bleibt nur ein Gedankenspiel, es folgt jedoch keine endgültige Entscheidung. Bis zum Ende des Krieges bleibt Arnold Zweig in Haifa und führt von dort aus seine internationale Protestbewegung gegen den Faschismus.

Appointments-Kalender vom Psychoanalytiker Max Eitingon Auf der Flucht nach Palästina lernt der Schriftsteller Arnold Zweig den Psychoanalytiker Max Eitingon kennen. Beide waren Anhänger von Siegmund Freud, in dessen Korrespondenz man sich Freud bis zu dessen Tod als unsichtbar anwesenden Dritten in der Exilfreundschaft zwischen Eitingon und Zweig vorstellen konnte. Am 30. Juli 1943 starb Max Eitingon in Jerusalem und seine Frau Mirra übergab Arnold Zweig den „Appointments”-Kalender aus dem Jahr 1933. Das fest eingebundene Büchlein mit Goldrand ist ein Dokument der Freundschaft und des Exils. Eitingon erwarb dieses Büchlein, um darin die Termine für die Behandlungen seiner Patienten einzutragen. Zwischen den darin enthaltenen zahllosen Patiententerminen stehen hingeworfene Einträge von Max Eitingon aus den Jahr der Machtübernahme der Nazis.

Bis zum Kriegsende veröffentlicht Zweig seine umstrittenen Ansichten in antifaschistischen Publikationen wie der „Neuen Weltbühne” bzw. der „Deutschen Volkszeitung” und ist Mitherausgeber der deutschsprachigen Exilzeitschrift „Orient”. Zweig klagt in der wöchentlich erscheinenden deutschsprachigen, linksradikalen Zeitschrift „Orient”, die in heftiger Opposition zum zionistischen Establishment stand, dass „keines meiner Bücher in den letzten zehn Jahren Zugang auf den hebräischen Buchmarkt” gefunden habe.

Arnold Zweig - Zeichnung Emil Stumpp Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam Arnold Zweig 1948 mit seiner Frau Beatrice über Prag nach Ost-Berlin zurück. Palästina ist dem Dichter zu keiner wirklichen Heimat geworden. Veranlasst durch Louis Fürnberg über das tschechoslowakische Kultusministerium erhielt Arnold und Beatrice Zweig eine offizielle Einladung, die am Flughafen in Prag am 15. Juli 1948 überreicht wurde. Während eines Aufenthalts im staatlichen Erholungsheim für Künstler in Dobříš setzt sich die Ostberliner politische Führung für den umworbenen Autor ein.

Im Oktober nahm er die Einladung des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschland” an, kurze Zeit später folgte ihm seine Frau Beatrice. Erste Station in Ost-Berlin ist das Hotel „Adlon” am Brandenburger Tor. Hier kommen die Zweigs für kurze Zeit in einem nicht zerbombten Seitenflügel des Hotels unter. Ihre neue Heimat ist das Künstler-Viertel in Schönholz neben befreundeten Kollegen in der Homeyerstraße 13. In einer kleinen Villa der Nachbarschaft von „Schloss Schönhausen” bezogen sie jenes Gebäude, in das seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Schloßpark-Gärtner gewohnt hatte. Zweig schrieb seinen Kollegen Lion Feuchtwanger nach Karlifornien:

»Die Russen haben mir unmittelbar neben dem Schlößchen Niederschönhausen eine Wohnung angeboten, acht Zimmer, Garten, eine Pforte in den Park, ganz ruhige Straße – früher Schloß-, jetzt Ossietzkystraße. (...) mitten im Einrichten dieses altmodischen, aber schönen Hauses. Eben bricht die Sonne durch, der Garten voll alter Bäume trieft noch vom Regen, wir liegen mitten im Grünen und wie am Ende der Welt.«

Franz Ehmke - Hofgärtnerhaus am Schloss Niederschönhausen Liebevoll nannte Zweig das benachbarte Schloss auch „Ritterburg”, doch dieses Ende der Welt Zweigs bewog dem Schriftsteller nach einer neuen Bleibe zu suchen. Diese Wahl trifft im Mai 1950 auf die Homeyerstraße 13, im der sogenannten „Siedlung für die schaffende Intelligenz” in Ost-Berlin. Seine Wahl fiel ihm nicht schwer, denn hier fand er Bertolt Brecht, Anna Seghers, Johannes R. Becher, Friedrich Wolf und den Komponisten Hanns Eisler mit seiner Frau Louise, einer Übersetzerin und Kunstwissenschaftlerin, in seinem näheren Arbeitsumfeld wieder. Unter der neuen Adresse fand Zweig ausreichend Platz für Bücher, Manuskripte, Kunstgegenstände und Bilder seiner Frau Beatrice. Auch der schöne Garten der das Haus umgab, war beiden sehr wichtig.

Arnold Zweig wird 1949 Mitglied des Weltfriedensrates, sprach auf verschiedenen Kongressen in Europa. Genaustens verfolgte mit größtem Interesse die Entwicklung in beiden deutschen Staaten. Er verstand es nicht, daß Alt-Nazis in der Bundesrepubluk in Amt und Würden waren. Den besseren deutschen Staat sah er in seiner jetzigen neuen Heimat. Das Bürokratismus und Bevormundung das geistig-kulturelle Leben in der DDR lähmten und vergifteten ist ihm nicht entgangen. er übte Kritik an dem wachsenden Einfluß einer ungebildeten Parteibürokratie, die sich als „Unteroffiziere” in das kulturelle Leben einmischten. Zweig schreibt 1951 Lion Feuchtwanger:

»Der sogenannte sozialistische Realismus hält die Kunst für ein Panoptikum und möchte am liebsten alle Gesetze der Form und Prinzipien der Kunst als Formalismus denunzieren und abschaffen.«

Die Zweigs werden nie Parteimitglieder, das politische Denken des Schriftstellers steht zwar im Dienste des Staates, er gilt aber eher als ein „unberechenbaren Außenseiter”. Von Seiten des Staates stellt man dem Schriftsteller Zweig sogenannte „ständige Betreuer” in Person von der Germanistin Johanna Rudolph bzw. des Schriftstellers Heinz Kamnitzer an die Seite. Vermutlich wollte man es vermeiden ihn offen mit Leuten vom MfS zu beobachten, doch Zweig schien das Spiel des Staates zu durchschauen. Von 1949 bis 1967 war Arnold Zweig trotz dieser Umstände Abgeordneter der Volkskammer der DDR und gehörte der Fraktion des Kulturbundes an.

Dem sich nunmehr bekennenden „marxistischen Sozialisten” kamen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) reichlich Ehre und Anerkennung zuteil. Anfang der 50er Jahre übernahm Arnold Zweig anstelle von Thomas Mann, der unmittelbar vor seiner Rückkehr verstarb, die Präsidentschaft der „Deutschen Akademie der Künste”. Im Anschluss wurde Zweig zum Ehrenpräsidenten „Poeta laureatus” der Akademie. Zahlreiche ostdeutsche Verlage drucken Artikel aus seiner Feder, Zweig nimmt regelmäßig Stellung zu den aktuellen Fragen der Politik.

Unter der Regie von Joop Huisken wurde in seinem Dokumentarfilm von 1962 das Lebenswerk des Schriftstellers Arnold Zweig in Zusammenarbeit mit den DEFA-Studios gewürdigt. Die entscheidenden Lebensstationen und das künstlerische Oeuvre des Dichters werden dem Zuschauer vorgestellt. Auf viele seiner Aufzeichnungen wird in diesem Film eingegangen, auch der Roman „Traum ist teuer”, über seine Zeit im Exil in Palästina. Weggefährten wie Willi Bredel, Beatrice Zweig, Anna Seghers, Anne Frank, Adolf Zweig, Ludwig Renn, Bianca Zweig, Peter Hacks, Wieland Herzfelde, Jakob Hacks, Leonhard Frank, Thomas Mann, Johannes R. Becher und Hugo von Hofmannsthal sind Bestandteil des Dokumentarfilms über Arnold Zweig.

Arnold Zweig - Portrait Arno Mohr Mit den 60er Jahren beginnt der Rückzug des Schriftstellers Arnold Zweig aus der politischen, schriftstellerischen Aktivität. Ziele die er sich setzte übersteigen häufig seine abnehmenden Kräfte. Sein letztes Lebensjahr ist gezeichnet vom rapiden Verfall seines gesundheitlichen Zustands. Am 26. November 1968 verstirbt der Schriftsteller Arnold Zweig kurz nach seinem 81. Geburtstag und wird gar staatsmännisch auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin neben den Gräbern seiner Freunde Johannes R. Becher, Bertolt Brecht und Heinrich Mann beigesetzt. Konrad Wolf, Präsident der Akademie der Künste der DDR hielt die Grabrede zum Leben und Wirken des Künstlers. Im deutschen Theater fand am 2. Dezember 1968 dir Trauerfeier statt. Die Worte des Gedenkens in ihren Trauerreden sprachen Alexander Abusch, Boris Polewoi und Max Walter Schulz. Schon kurz nach seinem Tod brachte die Post zu Ehren von Arnold Zweig eine Sonderbriefmarke heraus. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki schreibt 1970:

»Tatsächlich hält man (Zweig) westlich der Elbe für einen Schriftsteller der Vergangenheit, für einen Mann, der seinen Ruhm überlebt hat. (…) Für die Germanistik in Westdeutschland existiert er nicht. Seine Bücher sind hier in Vergessenheit geraten. Die jüngeren Generationen haben sie überhaupt nicht in Kenntnis genommen.«

Nach seinem Tod wurde sein literarischer Nachlaß durch besondere Verdienste seiner langjährigen Sekretärin Ilse Lange betreut und verwaltet. Die Akademie der Künste hält in ihrem Archiv rund 32.000 Blatt Manuskripte, 80 Tage- und Notizbücher und 39.000 Briefe. Rund 4.500 Bände kommen aus einer Bibliothek dazu. In seinem ehemaligen Haus wurde 1987 ein Literaturmuseum eröffnet, das leider mit der politischen Wende abgewickelt wurde.

Über fünfzig Jahre sind seit seinem Tod inzwischen vergangen und die Werke nahezu in Vergessenheit geraten. Mit dem Neudruck einiger Werke Mitte der achtziger Jahre gab es eine allmähliche Neubelebung. Das noch unvollendete Manuscript „Freundschaft mit Freud”, welches auf Anregung von Freuds Tochter Anna in Angriff genommen wurde, gab der Aufbau-Verlag ohne Kommentar zurück. Nach der politischen Wende wurde es schließlich 1996 nach Vereinigung beider deutscher Staaten gedruckt.

Arnold Zweig wurde 1950 mit dem Nationalpreis 1. Klasse und 1954 mit dem „Vaterländischen Verdienstorden der DDR” in Silber geehrt. Zu seinem 65. Geburtstag erhielt Zweig die Ehrendoktorwürde der Leipziger Universität. 1959 wurde dem Schriftsteller im Moskauer Kreml den „Internationalen Lenin-Friedenspreis” übberreicht und 1961 die „Johannes-R.-Becher-Medaille” in Gold" verliehen. Ehrenhalber kam 1962 ein Professorentitel und der „Vaterländischen Verdienstorden” in Gold dazu.

Seine Frau hatte stets Heimweh in das israelische Haifa, wo sie noch eine Wohnung besaßen. Eine Ausreise nach dem Tod ihres Mannes blieb ihr verwehrt.

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