Straßenszene
Aus dem Vergnügungsviertel wird ein Laufsteg
In den Straßen vom Prenzlauer Berg finden sich viele bekannte Namen wieder. Namen von Widerstandskämpfern aus dem
Zweiten Weltkrieg wie Ernst Knack, Käthe Kollwitz, Lothar Chon, Conrad Blenke, Dietrich Bonhoeffer, Namen von
Generälen aus dem Deutsch-Französischen-Krieg wie Sredzki, Fransecky und Tresckow, Namen von herausragenden
Personen wie der Archäologe Heinrich Schliemann, dem Physiologen Hermann Helmholtz, dem Bürgermeister Hermann
Duncker, dem Maler, Radierer und Kupferstecher Chodowiecki, dem Schriftsteller Erich Weinert, dem
Lithographieerfinder Aloys Senefelder, dem Physiker Albert Einstein und dem Juristen Heinrich von Gneist. Auch
der größte Grundbesitzer auf den heutigen Flächen des Prenzlauer Bergs und Eigentümer der Bötzow Brauerei erhielt
eine Straße mit seinem Namen in dem gleichnamigen Viertel, welches unmittelbar am Friedrichshain liegt.
Um den Senefelder Platz liegt das Viertel welches sich aus bekannten Ortsnamen aus dem Deutsch - Französischen Krieg um 1870 definiert. Straßen wie die Saarbrücker, Belforter oder Straßburger Straße gehören zu ihnen. Das nordische Viertel entstand nach der Jahrhundertwende um 1900 dessen bekannteste Straßen die Bornholmer und Malmöer Straße oder die nach den nordischen Dichtern Björnson und Anderson benannt sind. Zwischen der Schönhauser Allee und dem angrenzenden Stadtbezirk Mitte finden sich Straßennamen aus Orten in Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern. Weitere Stadtteile aus dem Prenzlauer Berg wurden nach Orten Ost- und Westpreußens benannt.
Die durch die Szene bekannteste und beliebteste Straße Kastanienallee soll hier ein bisschen näher beschrieben
werden. Sie verläuft von der Schönhauser Allee aus gesehen schräg ein und stößt am Ende auf den Weinbergsweg. Dabei
durchquert sie die Stadtbezirke Prenzlauer Berg und Mitte wobei die Schwedter Straße die Grenze zwischen den beiden
Stadtteilen bildet. Sie ist die älteste Straße vom Prenzlberg und wurde um 1826 durch den Grundbesitzer Griebenow
als Verlängerung des Weinbergsweg angelegt. Damals befanden sich hinter dem Rosenthaler Tor auf dem gebiet des
Volkspark Weinberg die Wollankschen Weinberge. Die sandigen Anhöhen um Berlin entwickelten eine so intensive Wärme,
dass die Trauben derart gut gedeihen konnten. Um die Stadt Berlin hatte die Kurmark die sechshundert Hektar
Weinbaugebiet. Von den hiesigen Weinhöfen hatte man eine schöne Aussicht auf die Stadt. In einer Verfügung aus dem
Jahre 1533 heißt es; "Der Kurfürst hat dem Rat zu Berlin mit Ernst empfohlen, daß die Bürger auf den Bergen
der Stadt Wein anbauen sollen. Da aber diejenigen Bürger, so um selben Ort Acker haben, solches nicht tun wollen,
sollen sie solche anderen, die dazu Lust haben, verkaufen". Das Volk war von dem Weingenuss ausgeschlossen
und wer mutwillig Weinstöcke beschädigte wurde mit Abschlagen der Hand bestraft. Mit dem Winterfrost von 1740 war
der Weinbau vor den Toren Berlins Geschichte, wovon sich der Berliner Weinbau nie mehr erholte. Bekannteste Weinsorten
waren Schönedel, Rehfall und Schillernder Traminer.
Bekanntestes Gebäude in dieser Straße ist der Berliner Prater nebst Pratergarten und das Wohnprojekt Ka86. Der Name der Straße rührt von der ursprünglichen Bepflanzung rechts und links der Straße her. Da die ursprüngliche Bepflanzung durch vielerlei Einflüsse geschädigt wurde war es nötig 1990 diese Kastanienbäume erneut anzupflanzen. Über ein Jahrhundert bis zur politischen Wende 1989 war der Prater der dominierende Anziehungspunkt in der Kastanienallee. Viele Berliner zog es damals hinaus ins Grüne und in die Biergärten. Anfänglich noch am Sandweg gelegen breitete sich Berlin in den Folgejahren immer weiter aus bis es wie heute mitten in Berlin liegt. Die heute so beliebte Szene aus Künstlern, Grafikern, Filmschaffenden und Malern, vielen jungen Familien, Studenten - WG´s bilden eine bunte Mischung für die neue Szene am Prenzlauer Berg. Diese entwickelte sich im Osten am Kollwitzplatz sowie um den Wasserturm und in dem westlich gelegenen Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße (Mitte). Von dem Kollwitzplatz entwickelte sich die Szene über die Knaackstraße und der Kulturbrauerei zur Kastanienallee und vom Tacheles über die Oranienburger Straße, Sophienviertel, Hackescher Markt mit den Hackeschen- und Rosenhöfen, Rosenthaler Platz, Weinbergsweg zur Kastanienallee. Beschreitet man diese Wege so findet man um jede Uhrzeit Leben aus Einheimischen und Gästen, die aus allen Bundesländern anreisen, um das neue Lebensgefühl zu erleben. Man spürt sehr intensiv die internationale Atmosphäre aus Alternativen und Künstlern bzw. die sich deren zugehörig fühlen. Hier lassen sich noch die Menschen zu sozialen Protesten begeistern. Soziale Projekte arbeiten Hand in Hand, helfen sich gegenseitig und brauchen sich um Nachwuchs keine Sorgen machen. Noch zu Zeiten der ehemaligen DDR sollte das ganze Gebiet abgerissen werden um neue moderne Wohnbauten zu schaffen. Zum Glück mangelte es am nötigen Geld, so dass dem Bezirk ein wichtiges Stück der Geschichte erhalten blieb. Auch die befürchtete Gentrifizierung in den Szenenstadtteilen setzte sich nicht durch. In der Kastanienallee haben sich die Anwohner und kreativ Schaffenden eine ganz eigene vielfältige Szene aus Galerien, Boutiquen, Kneipen und ausgefallenen Geschäften geschaffen, die der Berliner in seinem Volksmund auch schon aufgenommen hat und sie Castingallee nennt. Auf jeden Fall bietet die Kastanienallee alles was eine Szene braucht; vom gestylten Yuppie, Punks, Studenten, alteingesessene Kietzbewohner und neugierige Szenemitläufer. Zu den Highligths der Kastanienallee im Prenzlauer Berg zählen das kleinste Kino von Berlin - Lichtblick, bietet gerade mal 32 Plätze für den Kinobesucher. Es zeigt unter anderem Dokumentationen, Retrospektiven
Die Schönhauser Allee, auch Magistrale genannt war einst der Weg preußischer Könige zum Sommerschloss Schönhausen
(Niederschönhausen). Was heute ein Begriff im Prenzlauer Berg ist begann einst als Pankowscher Landweg um 1490. Neben
vielen überlieferten weiteren Namen waren die bekanntesten Bezeichnungen Schönhauser Weg und Pankower Chaussee nach
Pankow. Schon im Mittelalter bestand die Verbindung von der damals noch kleinen Stadt Berlin zum Dörfchen Pankow. Links
und rechts des Weges erstreckten sich Waldgebiete, bis sie ab dem 13. Jahrhundert abgeholzt wurden und das Land für die
Landwirtschaft urbar gemacht wurde. Erst mit dem Kauf des Gutshofes der Familie Grumbkow durch den Kurfürst Friedrich III.
im Jahre 1691 gewann die Schönhauser Allee an erste Bedeutung. Da der Weg nun vorbei an Feldern zum Gutshaus führte wurden
entlang der Schönhausenschen Landstraße wie sie sich zu diesem Zeitpunkt nannte, Linden angepflanzt um den Kurfürsten die
Reise angenehmer zu machen. Zu dieser Zeit war die Chaussee den zunächst kurfürstlichen und später königlichen Karossen
vorbehalten, die darüber nach Pankow rumpelten.
Der Gutshof (heute Schloss Niederschönhausen) wurde dann zum Schloss ausgebaut und diente zunächst als Sommersitz. Später lebte dann die Königin Elisabeth Christine von Braunschweig - Bevern im Schloss, als sie von ihrem inzwischen gekrönten Ehemann abgeschoben wurde. Mit Zunahme der Beliebtheit Berliner Vororte gesellten sich um 1835 die ersten Kremser dazu und fuhren Erholung suchende Berliner aufs Land. 1841 bekam die Schönhauser Allee ihren heutigen Namen.
An der Ecke Torstraße wurde das erste Grundstück an der Straße bebaut und diente als "Königliches Vorwerk". Mit dem Jahre 1823 geht nun der aus Prenzlau zugewanderte Büchsenmacher Wilhelm Griebenow in die Geschichte der Schönhauser Allee ein. Dieser heiratete in die Ackerbesitzerfamilie Zernikow ein und sah schon früh das Potential an Ländereien vor den Toren der Stadt. Er kaufte das vor dem Konkurs stehende "Königliche Vorwerk" samt Ländereien vom Rosenthaler- und Schönhauser Tor bis hin zum Ende des Verlorenen Wegs zu günstigen Konditionen. Es vergingen kaum zwei Jahre nach ersten Parzellierungen, als er den Platz an der "Einsamen Pappel" an den Preußischen Militärfiskus verkaufte, die hier für das Kaiser Alexander Garde Grenadier Regiment Nr. 1 einen Exerzierplatz anlegten. Zwischen der inzwischen "Chaussee nach Pankow" genannten Schönhauser Allee und der heutigen Prenzlauer Allee lagen die Ländereien der Büttners, die dann im selben Jahr ebenfalls lukrativ ein Grundstück jenseits der Schönhauser Allee an die jüdische Gemeinde von Berlin verkaufte. Hier entstand dann der heutige Friedhof an der Schönhauser Allee.
Als erster Querweg stieß die vom Rosenthaler Tor kommende Kastanienallee, die ihren Anfang als Weinbergsweg nimmt und
weiterführend noch heute als Pappelallee in Richtung Weißensee führt. Es kamen die ersten
Brauereien und ließen sich links und rechts der Schönhauser Allee nieder. Mit dem Jahre
1841 erhielt der Weg nach Pankow schließlich seinen endgültigen Namen "Schönhauser Allee". Nach Fertigstellung
des Bebauungsplanes begannen 1862 die ersten Bebauungen links und recht der Schönhauser. Zu dieser Zeit fiel dann auch
die Zollmauer und die ehemalige Tore. Die Große Berliner Pferdeeisenbahn AG übernahm nun den Linienverkehr zwischen
Schönhauser Tor und Pankow. 1871 unterquerte der Nordring die Schönhauser Allee und der erste Bahnhof für die S-Bahn
wurde schon acht Jahre später eröffnet. 1894 wurde Höhe der Gleimstraße ein Pferdebahndepot mit Werkstätten, Ställen
und einer Wagenhalle errichtet. Weitere fünf Jahre später fuhr die erste elektrische Straßenbahn vom Bahnhof Schönhauser
Allee bis in das südlich gelegene ehemalige Dörfchen Rixdorf. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts kam dann die U-Bahn in die
Schönhauser. Diese sollte den Verkehr zwischen dem Ringbahnhof Schönhauser Allee und dem Potsdamer Platz übernehmen. Nur
verkalkulierte sich die Hochbahngesellschaft bei der Spreeunterquerung und Häuserunterfahrungen so sehr, dass sie sich
entschloss die Weiterführung als Hochbahn zu gestalten, da sich der Ringbahnhof unter der Schönhauser Allee befand und
sich somit beide Linienführungen kreuzen würden. Trotz zahlreicher Proteste der Anwohner genehmigte der damalige
Magistrat den Bau und die Berliner begegneten dies mit ihrem Spott und nannten ihn ab der Fertigstellung
"Magistratsschirm". Die Hochbahntrasse wurde zwischen 1911 und und 1913 auf Mauerpfeilern und Stahlstützen
errichtet. Die Bahnhöfe Schönhauser Allee (Nordring) und Eberswalder Straße wurden nach Entwürfen von Johannes Bousset
sowie Alfred Grenander gebaut.
In den 20er Jahren wurde das nun ehemalige Straßenbahndepot Nr. 123 an der Gleimstraße durch den Archi-tekten Wilms zu
einem Kinovarieté "Colosseum" umgebaut. Nach dem 2. Weltkrieg war hier vorübergehend die Spielstätte des
Metropol Theaters und anschließend das Uraufführungskino der DDR, bis dies später von den Kinos Kosmos und International
übernommen wurde. 1930 schließlich wurde die U - Bahnlinie nach Pankow (Vinetastraße) verlängert und wo sie sich vor der
Danziger Straße aus der Erde erhob verschwindet sie wieder hinter der Bornholmer Straße. 1930 war auch das Jahr für
Berlins beliebteste und bekannteste Currywurstbude Konnopke. Max Konnopke entschloss sich zu dieser Zeit Würstchen zu
verkaufen und da es zu dieser Zeit nur nachts erlaubt war Würstchen zu verkaufen zog er Abend für Abend los, ausgerüstet
mit Wurstkessel, Klapptisch und Schirm und verkaufte seine Würstchen die Schönhauser Allee rauf und wieder runter.
Während der Zeit der DDR gewann die Schönhauser Allee wieder an Privilegien zu, denn die SED Oberen residierten jetzt im
Schloss Niederschönhausen und dem angrenzendem "Städtchen". Nun gehörte die Schönhauser Allee zur
Protokollstrecke, dass heißt; die Straße musste sich immer von der besten Seite zeigen, es wurden keine parkenden Autos
geduldet um die schnelle Durchfahrt der Genossen zu gewährleisten und in den Geschäften gab es Dinge zu kaufen, die
abseits dieser Strecke nicht zu haben gab. Bekannteste Ecke war zu dieser Zeit die an der Wichertstraße, wo sich das
Tanzcafé Nord befand, beliebteste Disco am Prenzlauer Berg. Auch als beliebteste Einkaufsmeile war die Schönhauser Allee
immer ein Besuch wert. Auch wenn es mal regnete konnte man ohne Schirm unter dem Magistratsschirm der U - Bahnlinie
flanieren ohne nass zu werden. Nach der politischen Wende 1989 begannen wie schon zuvor im Westteil der Stadt die ersten
Besetzungen von Häusern um dessen Abriss. 1997 entstand gleich neben dem S - Bahnhof das Einkaufscenter "Schönhauser
Allee Arcaden". Durch diesen Bau hat die Schönhauser Allee an Attraktivität nicht verloren, sie gehört heute zu den
Szenemeilen der Stadt, denn selbst Konnopke fand irgendwann Ecke Schönhauser einen geeigneten Platz für seine Wurstbude
und kann der großen Konkurrenz aus America trotzen.
Im Prenzlauer Berg haben viele Straßen des Stadtteils eine ganz eigene Geschichte, die sich nicht nur im Straßennamen widerspiegelt. So galt die Lychner Straße nach Ende des 2. Weltkrieges als verruchte Gegend, in der sich nur Halunken herumtreiben sollten und dessen Sackgasse als "Bullenwinkel" Bekanntheit erhielt.
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Entlang der Panke - Von der Quelle im Naturpark Barnim durch den Norden Berlin's
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