∼ Entlang der Panke ∽ Geschichte der Königinnenplantage zur Schönholzer Heide

Schönholz

Von der Königin-Plantage zur Schönholzer Heide

Schloss Schönholz und Allee aus Pankow kommendDer kleine Ortsteil Schönholz steht unmittelbar im Zusammenhang mit der preußischen Königin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern. Sie ehelichte am 12. Juni 1733 den jungen Kronprinzen von Preußen und späteren König Friedrich II. Elisabeth Christine lebte während der Sommerzeit im Schloss Schönhausen im nahen Ortsteil Niederschönhausen. Als ungeliebte Königin bekannt, lebten die preußische Königin und König Friedrich II. getrennt, da dieser sich nach dem Tod seines Vaters dem Leben mit seiner eigenen Familie entsagte. So blieb die Ehe auch kinderlos und sie trafen lediglich auf Galafesten zusammen. Friedrich II. schenkte seiner verschmähten Gemahlin 1740 das Sommerschloss Schönhausen, wo sie über die Sommermonate getrennt von ihrem Mann lebte. Im Winter bezog sie ihre Wohnung im Berliner Schloss, in der sie ebenfalls getrennt von ihrem Ehegatten lebte. Sehr belesen befasste sie sich viel mit der Literatur und übersetzte deutschsprachige religiöse Schriften in französische Sprache. Ein umfassendes Werk ihrer Arbeit befindet sich in fast vollständiger Form in der Bibliothéque Nationale in Paris.

Provinzstraße in Schönholz um 1913Auf ihre Veranlassung hin wurde der heutige Pankower Ortsteil Schönholz als Kolonie gegründet. Unweit des Schlosses kaufte sie im Jahr 1752 55 Morgen Land und legte im darauffolgenden Jahr die in Mode gekommene Maulbeerplantage an. An dessen Rand siedelten schließlich 1767 in einer kleinen Kolonie Leineweber und Tuchmacher, vorwiegend aus Böhmen an, wo heute noch aus dieser Zeit der Tuchmacherweg herrührt. Diese Siedler bekamen Unterkunft, etwas Land und verpflichteten sich zeitweise auf der Königinplantage zu arbeiten. Elisabeth Christine ließ für die Siedler eine Schule errichten, in der auch die Kinder aus den Kolonien am Wedding und Gesundbrunnen gingen. 1791 bekam diese Kolonie den Namen Schönholz. Man begann mit der Bepflanzung von Maulbeerbäumen zur Seidenraupenzucht. Dies erwies sich als nicht sehr erfolgreich, war es schließlich einzigartig in Deutschland. 1799 ging die Plantage als Erbpacht an den Gastwirt Obermann. Zu der Plantage und der gegründeten Kolonie wurde bald (1840) ein kleines Gut, nebst Park und einem reich ausgestatteten Gutshaus angelegt. Es wurde später auch "Altes Schloss" genannt. Später, zwischen 1872 und 1884 war im ehemaligen Gutshaus die Höhere Mädchenschule von Henriette Jenrich untergebracht.

Gruß aus Schloss Schönholz um 1905Der eher mäßige Erfolg der königlichen Maulbeerplantage brachte der Kolonie Schönholz keineswegs eine wirtschaftliche Abwanderung. Mit Ende des 19. Jahrhunderts übernahm die hiesige Schützengilde von 1433 das verwahrloste Schloss und ließ Teile des Schlossensemble abreißen. 1880 verkaufte die Schützengilde, ihr Areal an der Linienstraße und bekam im Austausch das Schloss nebst dazugehörige Gelände im Vorort Schönholz. Mit dem erzielten Gewinn aus Verkauf und Kauf konnte der Umbau des ehemaligen Schlosses zum Schützenhaus nebst Schießplatz finanziert und nach der feierlichen Einweihung 1884 bezogen werden. Schon 1890 fand das 10. Deutsche Bundesschießen im Schützenhaus Schönholz statt. Sensation war, dass man erstmals auf bewegliche Ziele (dargestellte Wildschweine) schießen konnte. Der ehemalige Gutsgarten wurde zum Privatgarten der Schützengilde und war nur den eigenen Mitgliedern vorbehalten, die sich aus wohlhabenden Kaufleuten, Handwerkern und Ratsherrn zusammensetzte.

Die nahe am Schloss liegende Schönholzer Heide entwickelte sich zu einem sehr beliebten Ausflugsziel für die Berliner, wie der alte Berliner Gassenhauer "Bolle reiste jüngst zu Pfingsten..." beschreibt. So zeugen heute noch alte Ansichtskarten vom schönen Schönholz mit seinen Ausflugslokalen "Kastanienwäldchen", "Schönholzer Flora", "Tivoli", "Thiemannfestsäle", "Hubertussäle"  und "Schützengarten".

Auch sportlichen Organisationen fanden zunehmest Gefallen an die Schönholzer Heide und es zog den Akademischen Turnverein sowie den Verein für Bewegungsspiele in der Schönholzer Heide. Zusätzlich entstanden eine Schießanlage, Fußball- und Tennisplätze. Das Rote Kreuz von Berlin befand ebenfalls, dass die Schönholzer Heide erholungswürdig war und richtete in Schönholz eine Walderholungsstätte für Frauen und Kinder aus bedürftigen Familien ein, die an Lungenkrankheiten, Blutarmut oder Magenbeschwerden litten.

Um die Jahrhundertwende wollte dann der preußische Forstfiskus im Zuge des Baubooms der Gründerzeit die Schönholzer Heide abholzen und parzellieren. Hierzu hatte der Forstfiskus das gesamte Areal für dessen Bebauung projektieren lassen. Um das Vorhaben entsprechend zu vermarkten wurde eigens eine entsprechende Postkarte mit dem Spruch "Die Schönholzer Heide wird parcellirt" gedruckt. Für die Rettung der Heide gründete sich der Verein "Rettet die Heide". Wie schon beim dem Killisch von Horn Park, der zum Bürgerpark wurde, setzte sich auch diesmal der engagierte Bürgermeister von Pankow Wilhelm Kuhr für dessen Erhalt ein. Gemeinsam mit dem Verein verhinderte er diesen Plan und die Heide konnte bis heute in seinen Ursprüngen erhalten bleiben. Und auch wie schon beim Pankower Bürgerpark wurde die Schönholzer Heide durch den Stadtbezirk Pankow übernommen und zum Volkspark Schönholzer Heide umgestaltet.

Auf dem Teil von Niederschönhausen (Schönholz) entstanden an der Panke Badestrände mit Liegewiesen, dessen Einweihung 1923 begangen wurde. Damals war die Panke noch nicht in einem festen Flussbett und an den Badestellen fast doppelt so breit wie heute. Die Nähe zum Friedhof III., ebenfalls in der Schönholzer Heide gelegen, brachte dann Unmut, da bei Beerdigungen immer die halbnackten Badegäste zu Gegen waren. Dies führte dann schließlich zu heftigen Debatten im Bezirksamt von Pankow, wo bei einer dieser Debatten über die Verwahrlosung der Schuljugend gestritten wurde. Der Badebetrieb konnte aber wegen der hohen Schadstoffbelastung nicht lange aufrecht gehalten werden, so dass sich das Problem bereits vier Jahre nach Eröffnung von selbst löste und die Badestrände geschlossen wurden. Schon ein Jahr später entstand ein großes Planschbecken nebst Brunnenhäuschen auf dem Teil des Bürgerparks, wo sich die Schönholzer Heide befand und nun konnten die Pankower die neu angelegte Anlage mit Sandspielplatz im westlichen Teil des Parks nutzen. Heute befindet sich dort ein großer Spielplatz, das Planschbecken wurde in den 60er Jahren wegen der Berliner Mauer geschlossen.

Neue Welt SchönholzIn der Schönholzer Heide selbst entstand 1927 eine Rodelbahn, die auf einem künstlichen Hügel entstand. Der Sand für diesen Hügel wurde aus dem Erdaushub für den U-Bahnbau aus Berlin gewonnen. Selbst ein Ableger des Berliner Lunaparks, der sich in Hallensee befand wurde in die Schönholzer Heide verlegt. Dem Vergnügen in Schönholz sollte kein Anspruch zu kurz kommen, so dass auch die dazugehörigen Restaurationsbetriebe Schloss Schönholz ( nunmehr Traumland) und dessen Rheinlandsäle zur Sehenswürdigkeit von Schönholz vermarktet wurden. Zum Restaurationsbetrieb "Schloss" und "Rheinlandsäle" zählte ein großer Biergarten sowie eine Konzerthalle für Früh- und Pfingstkonzerte. Daneben entstand das Restaurant "Oberbayern". Selbst der Lunapark von Berlin (Hallensee) mit Himalaya-Achterbahn, Riesenrad und anderen Karussells wurde seinem Vorbild nachempfunden und lockt Vergnügungssüchtige an. Tanzpavillion, Varieté und Traumstadt Liliput rundeten die neue Vergnügungsstätte ab. Militärkonzert, "Schönholz in Flammen" und ein Riesenfeuerwerk, hieß es jeden Mittwoch in den Sommermonaten in Schönholz. Günstig für die Vergnügungsbetriebe in Schönholz war auch die Tatsache, dass die Kolonie einen S-Bahnhof hatte und für zahlreiche Berliner somit gut erreichbar war. Das zum Teil aus Sandwüste bestehende Gebiet wurde ab 1934 durch sogenannte Arbeitsverpflichtete aufgeforstet uns gepflegt.

Bahnhof Berlin-Schönholz in der ProvinzstraßeMit Beginn des 2. Weltkrieges war dann Schluss mit dem Vergnügen in der Schönholzer Heide. Die Mitgliederzahl der Schützengilde von 1433 schrumpfte, da viele von ihnen an die Front mussten. Die im Jahr 1939 erlassenen Allgemeinen Richtlinien für die öffentliche Schießausbildung der Bevölkerung (Sämtliche Schützengilden , Schüt-zenvereine und Schiesskampfge-meinschaften des Gaues Berlin-Brandenburg des DSchV, stellen ihre Schiessstandanlagen und Ausbildungsräume, sowie sämtliche nicht bei der Armee befindlichen geprüften Schießwarte zur Ausbildung zur Verfügung.) verdrängte die Mitglieder mehr und mehr von ihren Schießplätzen. Und weil sie sich weigerten, die Einheitssatzung des NS-Reichsschutzbundes für Leibesübungen anzunehmen war der Mitgliederschrumpf kaum aufzuhalten. Das letzte Vogelkönigsschießen fand am 1. Juni 1942 in Schönholz statt. Das Schützenhaus fiel den Kriegsbomben zum Opfer und die Schießanlage nach Kriegsende von den Behörden beschlagnahmt. Das durch die Schützengilde errichtete ehemalige Schützenhaus ist heute das älteste Schützenhaus in Berlin und dient einigen Schützenvereinen als Vereinshaus. Der ehemalige Eigentümer, die Schützengilde von 1433 bekam das enteignete Grundstück nicht mehr zurück.

Ab 1940 betrieben die Machthaber auf dem Gelände des ehemaligen Vergnügungsparks Traumland und Lunapark ein Lager für ausländische Zwangsarbeiter, die in den deutschen Waffen- und Munitionsfabriken arbeiten mussten. Eines dieser Fabriken war die in Wilhelmsruh ansässige Bergmann Borsig Elektrizitätswerke. Das Zwangsarbeiterlager war das zweitgrößte in Berlin. Aufgrund der vielen innerstädtischen Bombenopfer, worunter auch Zwangsarbeiter waren, wurde neben der Schießanlage der Park- und Waldfriedhof Schönholz (Friedhof Pankow IV) angelegt. Auf diesem Friedhof fanden auch Frauen und Männer, die bei Bombenangriffen während ihrer Zwangsarbeit ums Leben kamen eine letzte Ruhestätte. Nach der Schließung des Areals im Jahr 1981fanden die ehemaligen Grabstätten auf dem nahe gelegenen Kriegsgräberhain eine neue Stätte des Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Eine weitere Stätte des Gedenkens ist das Sowjetische Ehrenmal im nordwestlichen Teil der Schönholzer Heide. Ein riesiger Obelisk mit einer in Bronze gegossenen "Mutter Erde", die ihren toten Sohn bewacht, bildet den Hauptteil des 1949 fertiggestellten Ehrenmals. Den Entwurf lieferten die Architekten Saboljew, Belarnzew und Koroljew, die Bildhauerarbeiten wurden von Perschudschew ausgeführt. Auf dem Schönholzer Soldatenfriedhof fanden die sterblichen Überreste von über 13.000 Soldaten und Offizieren der Roten Armee ihre letzte Ruhestätte, die bei den Kämpfen um Berlin in den beiden letzten Monaten des 2. Weltkrieges ums Leben kamen.

Nach Kriegsende versuchten die neuen Stadtvertreter in Pankow an der Vergnügungsstätte der 20er Jahre anzuknüpfen und ließen 1956 das "Heide Theater" errichten, welches über 2.500 Plätze verfügte. Bis zum Mauerbau wurden dort verschiedene Kulturangebote dargeboten und danach überließ man das Areal dem Schicksal und der Natur.

Als Einziges blieb der Schützenverein der Schönholzer Heide treu, die noch heute ihren Sitz am Südende der Schönholzer Heide haben. Ansonsten ist die Heide weiterhin beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänge und im Winter mit seinem eigens angelegten Rodelberg. An der nördlichsten Spitze der Schönholzer Heide befindet sich das Sowjetische Ehrenmal, welches nach Passieren der Germanenstraße erreicht wird. Als Spaziergang empfehlen wir den Start am Tor des Bürgerparks, über den Kinderbauernhof Pinke Panke auf dem Mauerstreifen, weiterführend auf dem Mauerstreifen zum südlichen Eingang der Schönholzer Heide an der Hermann Hesse Straße.

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Entlang der Panke - Von der Quelle im Naturpark Barnim durch den Norden Berlin's

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