∼ Entlang der Panke ∽ Das Städtchen in Niederschönhausen - Zentrum der einsten DDR-Macht

Städtchen

Wie sich die ehemalige DDR-Regierung selbst einmauerte

An der natürlichen Demarkierungslinie der Panke im Süden und an dem nördlich angrenzendem Schloss Niederschönhausen befindet sich der Majakowskiring, ein ellipsenförmiger Straßenzug, der im Pankower Volksmund "Das Städtchen" genannt wurde. Grund des außergewöhnlichen Namens war, dass in diesem Straßenzug viele DDR Funktionäre lebten, die hier Ihren Wohnsitz hatten.

Nach Ende des 2. Weltkrieges und bis in das Jahr 1950 trug der Straßenring noch seinen ursprünglichen Namen Kronprinzenweg und Victoriastraße. Am 4. Mai 1950 wurden dann aus den beiden Straßen erst die Majakowskistraße und dann der Majakowskiring, benannt nach dem russischen Dichter Wladimir Wladimirowitsch Majakowski. Das Terrain entstand um 1900 durch eine Aktiengesellschaft, die in unmittelbarer Nähe des Schlosses eine Kolonie aus Villen anlegte. Der damalige Fotograf Richard Kasbaum baute sich eine architektonisch imposante Villa, die als Maßstab für das spätere Viertel galt. In den 30er Jahren des gleichen Jahrhunderts entwickelte sich das Viertel zu einer repräsentativen Adresse für den gehobenen Mittelstand. Zu den Eigentümern zählten neben dem Fotografen und Visionär einst der Erfinder des Fahrraddynamos, ein Chemieprofessor und Berlins größter Brotfabrikant.

In diesem Viertel wohnten überwiegend Industrielle, die mit dem Kriegsende 1945 von der SMAD (sowjetischen Militäradministration) enteignet wurden. Zuvor wurden schon während der Nazizeit jüdische Eigentümer von den Machthabern zum Verkauf gezwungen. Die ersten neuen Bewohner der Siedlung waren Führungsoffiziere der Roten Armee bzw. des NKWD, dessen Nachfolge Emigranten und spätere Funktionäre wie der Dichter Johannes R. Becher, Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck antraten. nach der Gründung der DDR 1949 bezogen weitere Mitglieder der DDR Regierung das Viertel am heutigen Majakowskiring und es kamen bekannte Namen wie Erich Honecker, Erich Mielke, Otto Grotewohl und Hilde Benjamin dazu. Aus der schönen Villengegend am Schloss Niederschönhausen wurde ein Sperrgebiet mit Wohnstätten für hochrangige DDR Kader und dessen Spitzenfunktionären, Gästehäusern für Besucher und Unterkünften für Mitarbeiter der Regierung. So entstand eine Distanz zwischen den Machthabern und der Pankower Bevölkerung. Einstige Emigranten und Verfolgte waren nun hochrangige Funktionäre und schotteten sich von denen ab zu denen sie einst gehörten. Schon vor Beginn des Mauerbaus 1961 ließen die Funktionäre um das Städtchen eine Mauer bauen.

Mit dem Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 war es den Machthabern im Städtchen zu gefährlich weiter hier zu leben und man suchte nach einem geeigneten Gebiet für eine neue Wohnsiedlung. Diese fanden sie in Wandlitz. Es war leichter zu bewachen, einsamer gelegen, befand sich in der Nähe einer Autobahn und bot geeignete Fluchtmöglichkeiten Richtung Osten. Das Städtchen blieb aber weiterhin in den Händen der Staatsmacht und hochrangige Funktionäre bzw. Mitarbeiter der Staatssicherheit nutzten die Grundstücke weiter.

Die Bezeichnung "Das Städtchen" war russischer Herkunft und heißt übersetzt "gorodok". Pankower Bewohner, Besucher und selbst Bewohner nannten das Gebiet der Machthaber das Ghetto.

Einzige Überbleibsel aus der Zeit des Städtchens finden sich heute im Rudolf Ditzen Weg 19, wo einst Hans Fallada lebte und hier den Roman "Jeder stirbt für sich allein" schrieb. Einige Häuser weiter, im Majakowskiring 54 findet sich dann das Haus von Johannes R. Becher, der damals Fallada das Haus besorgte.

Konrad Adenauer sprach einst über die "Machthaber in Pankoff", als das so genannte Städtchen noch stark bewacht wurde. Er brachte damit seine tiefe Verachtung gegenüber den Machthabern in der DDR zum Ausdruck. Erst als sich die Regierung in Wandlitz nieder ließ lockerte sich der Umgang mit dem Majakowskiring und das Städtchen war wieder zugänglich.

Nach der politischen Wende 1989 zog die obdachlos gewordene Politprominenz in das Städtchen zurück und der Majakowskiring wurde zur Straße der Witwen, weil die ersten starben oder in Untersuchungshaft kamen. Auch der damalige letzte Staatsratsvorsitzende Egon Krenz kehrte in das Städtchen zurück. Im Majakowskiring 12 lebte bis zum ihren Tode 2002 Lotte Ulbricht, die Witwe von Walter Ulbricht. Alle anderen Villen verfielen in einen Dornröschenschlaf und bekamen nach und nach neue Eigentümer und bekamen wieder ihren alten Glanz von Einst zurück.

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