Paul Schultz-Liebisch

Mitbegründer des Pankower Künstlerboulevard als "Fest an der Panke"

Ein Park und eine Vielzahl an Kunstwerken sind das Vermächtnis welche an den Pankower Künstler Paul Schultz-Liebisch heute erinnern. Das Leben der Stadt, in allen Facetten, waren die Vorlage für die Arbeit von Paul Schultz-Liebisch. Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, wo Wochenmärkte stattfanden und Kinder spielten, die Baumblüte in den Schrebergärten und an Berliner Seen nahm Paul Schultz-Liebisch das Alltagsleben für seine Kunst auf. Es war das Leben, welches ihn inspirierte, so auch in den damals noch zahlreichen Altberliner Kneipen oder sein beliebtes sonntägliches Ausflugslokal "Waldesruh". Ein besonderen Anziehungspunkt für Paul Schultz-Liebisch bildeten auch jährlich stattfindende Volksfeste oder wenn der Zirkus bzw. die Schausteller mit ihrem Rummel in die Stadt kamen. So war es auch nicht verwunderlich, dass Paul Schultz-Liebisch mit Künstlerfreunden das "Fest an der Panke" 1963 ins Leben rief. Zu Beginn des "Pankefestes" bis Ende der 80er Jahre war es noch vorrangig ein Fest der Pankower Künstlerszene.

Gästehaus in Pankow In Reinickendorf 1905 geboren, lernte er zunächst wie sein Vater und Großvater den Beruf des Dekorationsmaler. In seiner Freizeit begeisterte sich Paul für das Zeichnen und fand dafür Ermutigung in seinem Vorbild Hans Baluschek. Da er sich eine Kunsthochschule nicht leisten konnte und Zeit seines Lebens nie eine Kunstakademie von innen sah eignete sich Paul durch Beobachtung und Fertigkeiten seinen Grundstock für die Kunst des Maler und Grafikers an. Sein Leben war die Staffelei und so sagte er einst "Das Leben war meine Akademie. Meine Mentoren – Altmeister Heinrich Zille und Hans Baluschek – bleiben mir in dankbarer Erinnerung.". So wie Zille fand Paul in den Lebensweisen der kleinen Leute mit all ihren Marotten genug Material für Wirklichkeit der Stadt.

1928 wurde Paul Mitglied der ASSO und begann zusammen mit Paul Eickmeyer mit dem Aufbau der Arbeiterzeichnerbewegung. Auch engagierte er sich bei der Internationalen Arbeiterhilfe. Es kam, wie es vielen Künstlern in der Nazizeit ergang, das Malen wurde durch die Reichskulturkammer für Paul verboten. Paul war mit 21 Jahren Mitglied der KPD geworden, in der er auch aktiv gestaltete. Politisch betätigte sich Paul im Widerstand um Robert Uhrig, viele Weggefährten und engste Freunde wurden an die Gestapo verraten und hingerichtet.

Seinen Erwerb bestritt Paul als Bühnenmaler der Ufa in Tempelhof wo er auch Zugang zu Farben für seine eigene künstlerische Entfaltung hatte. Für diese blieben meist nur die Nächte um an eigenen Werken zu arbeiten. Lange Jahre lebte Paul in Reinickendorf und Wedding, bis der Krieg nicht nur seine Zuhause verlor, sondern auch sein bis dahin gesamtes grafisches und malerisches Werk. Einzig blieben ein paar Bruchstücke der Erstlingswerke erhalten, die sich bei einem Freund befanden. Noch kurz vor Ende des Krieges im Jahr 1944 wurde Paul zur Wehrmacht eingezogen welche er später desertierte. Bei Holländische Widerstandskämpfern fand Paul in Berlin ein Versteck, das bis zum Ende des Krieges seine vorrübergehendes Zuhause war. In der ersten Nachkriegszeit war er freischaffend tätig und half beim Aufbau des Schutzverbandes Bildender Künstler Berlin.

Villa in Waldesruh Auch die neue Zeit nach dem Krieg machtes es Paul Schultz-Liebisch nicht leicht. Kulturfunktionären der SED waren die Werke von Paul nicht genehm, der Zugang zu Museen, Ausstellungen und Galerien bieb für ihn bis in die späten 60er Jahre verwehrt. Seine Bilder waren den Verantwortlichen "Kulturrevolutionären" zu kleinbürgerlich, spiegelten nicht die kämpferische Arbeiterklasse mit ihren Helden der Arbeit wieder. Neben Alfred Ebert und Johannes Helm zählte Paul zu den bekanntesten "Naiven der DDR". Als "Naiv" galten die Künstler, die keinen Hang dazu htten ihren Malstil zu professionalisieren. Diese Art von Kunst ist es aber, die Grafiken und Zeichnungen vom Malerpoet Paul Schultz-Liebisch unverwechselbar machen und einen weitaus größeren Zugang des Betrachters zu seinen Bildern entstehen lässt.

Nach seinem Umzug nach Pankow im Jahr 1946 arbeitete er in einer von Fritz Duda initiierten Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Künstler mit. Gemäß der Arbeit in der KPD, wo Plakate, Flugblätter und Spruchbänder für politische Aktionen und als Propagandamaterial entworfen wurden (ASSO, Assoziation revolutionärer bildender Künstler), setzte er nun seine Arbeit unter neuen Bedingungen fort. Im Grafik-Zyklus "Des Wahnsinns Ende" verarbeitete Paul seine Kriegserlebnisse aus Hungersnot, Bombenangriffe, Deportationen und die Hinrichtung seiner Freunde. Zugang zur Öffentlichkeit mit seiner Kunst bekam Paul über den Kulturbund und dessen Kunstausstellungen, die u. a. in den volkseigenen Betrieben durchgeführt wurden. In der Ausgabe vom neuen Deutschland vom 14.10.1949 heißt es:

Kunstausstellung im Betrieb
»Im Telegrafenbauamt (Z) in der Artilleriestraße 19 in Berlin wurde auf Veranlassung des Kulturbundes eine Kunstausstellung eröffnet. Gezeigt werden Aquarelle und Zeichnungen von Paul Kuhfuß, Bodo Franke, Paul Rosie, Paul Schultz-Liebisch und von Laienkünstlern aus der Belegschaft.«

Weihnachtsmarkt Nettelbeckplatz In der geplanten Gesellschaft spiegelte sich die Uneinigkeit unter den Künstlern und das Kräftemessen zwischen der Partei und der Kunstszene wider. Eine Arbeitsgemeinschaft aller "Geistesarbeiter" und den Kulturschaffenden der Partei war die Förderung der Kunst im Zusamenhang mit öffentlicher Stellen. Paul Schultz-Liebisch, der Mietglied der SED wurde war als Mitglied der Partei neben Oskar Nerlinger, Horst Strempel, Wilhelm Hölter und Fritz Duda zu einer Zusammenkunft bildener Künstler geladen, die sich mit der neuen Rolle der bildenen Kunst in der SED auseinandersetzten. Weitesgehend ging es um praktische Probleme wie Materialbeschaffung, Atelier- oder Ausstellungsräume. Paul sinalisierte seine Mitarbeit in der Arbeitsgruppe, dessen Ziel eine Mitsprache bei allen die Kunst betreffenen Fragen war. Paul strebte weiterhin die freie Kunst an, was aber eine radikale Kulturreform seitens des Staates verhinderte.

Der "Kulturplan" geht auf die inhaltlichen Ziele der künftigen Kulturpolitik in dem nunmehr eigenständigen Staat ein und schreibt "Das Jahr 1950 soll auf breitester Basis eine Volkskultur entwickeln, die demokratisch in ihrem Inhalt und national in ihrer Form ist". Es wurden zahlreiche Maßnahmen zur Förderung der Kunst und der bildenen Künstler vorgeschlagen, die "den Weg zum Verständnis des Volkes noch nicht gefunden hätten", z. B. die "Fortführung des Kampfes gegen Formalismus" und die "Förderung der Kunst und der bildenen Künstler.

Berliner Destille in den 20er Jahren Die freie Form der Kunst wurde quasi verstaatlicht in dessen Zwängen sich Paul Schultz-Liebisch nicht sah und so entschied er sich für den Austritt aus der Partei und seiner Mitarbeit in vielen seiner Ämter. Dieser Entschluss sollte für Paul nicht ohne Konsequenzen einher gehen. In der Folgezeit wurde von offizieller Seite weitesgehend ignoriert und für den Staat wurde der Künstler Liebisch zu einem Beobachtungsfall. Von staatlichen Aufträgen, typische Form der Kunstförderung in der DDR, war er ausgeschlossen. Seine Bekanntheit durch seine Werke mit der typisch berlinischen Atmosphäre, voller Poesie und Mutterwitz sowie befreundete Künstler wie Paul Kuhfuss, Heinrich Burkhardt, Arno Mohr, Fritz Duda und Paul Rosié unterstützten ihn in seiner künstlerische Tätigkeit.

In der Kleinen Galerie Pankow ermöglichte der Schriftsteller Erwin Strittmatter Paul Schultz-Liebisch eine große Schultz-Liebisch-Schau, womit eine Zeitenwende für Paul eintrat. Paul war 1950 Mitbegründer der "Kleinen Galerie Pankow". Er erhielt fortan Anerkennung für seine freie Kunst, so sagte Strittmatter damals: "Ich glaube, wir werden dem Maler in nicht allzuferner Zeit dankbar sein, dass er dieses oder jenes Stück Alt-Berlin mit seinen Farben und in seiner Malweise in die Zukunft des phönixhaften Berlins unserer Tage hinüber rettete.". Verlage druckten Kinderbücher mit Motiven von Paul Schultz-Liebisch, Postkarten schmückten sich mit seinen Motiven.

Dorfkirche Blankenfelde Die Panke war für viele Künstler die Lebensader ihrer Heimat, sie wurde gemalt, bedichtet oder besungen. Jeder Berliner kennt ihn, den Spruch "Janz draußen an der Panke" und zahlreiche Künstler haben ihr Werk über die Panke der Nachwelt hinterlassen. Was wäre also die Panke ohne die Kunst und das "Fest an der Panke" ohne Paul Schultz-Liebisch. Zusammen mit weiteren Künstlern wie der Bildhauer Heinz Worner, den Malern Harry Lüttger und Georg Sailer initiierten sie 1963 den Pankower Künstlerboulevard, veranstaltet am zweiten Septemberwochendene jeden Jahres. Es waren die Tage, an denen man Paul Schultz-Liebisch persönlich kennenlernen konnte und dabei keine Allüren eines Künstler zeigte. Die Kunstmeile auf dem Pankefest machten in glücklich, er erfreute sich stets über den Zuspruch der Pankower und Gäste. Besonders stolz machte ihn, dass das Schriftstellerehepaar Christa und Gerhard Wolf eifrige Sammler seiner Kunst waren.

Sein künstlerisches Antlitz aus den ersten Jahren hat das Pankefest nach und nach verloren. Vor der Wende zunehmend zum "sozialistischen Volksfest" entwickelt verlor das "Fest an der Panke" nach der Wende seinen Ruf als Kunstmeile und erhielt einen Volksfestcharakter. Die Kunstszene wurde vom Anger in eine Seitestraße verbannt, erst mit dem Kunstfest Pankow, erhielt die Szene im Schlosspark von Schönhausen eine neue Heimat.

Kleines Dorf In Rahmen einer Fensehsendung "Berliner in Pankow" kam das Fernsehen der DDR zu Alltagsbeobachtungen und Impressionen aus Pankow und Ansichten von Berlinern in Pankow auch zu Paul Schultz-Liebisch. Unter dem Arbeitstitel "Maler Paul Schultz-Liebisch in seinem Atelier" besuchte man ihn und erfuhr, wie er zur Bildmalerei kam und was seine Lieblingsmotive sind.

"Klein wie Stullenbrettchen sind die Bilder - umso mehr leuchten sie aus einer Zeit heraus, die es nicht mehr gibt oder so vielleicht auch nie gegeben hat." schrieb die Berliner Zeitung 2005 anlässlich des 100sten Geburtstag in ihrer Ausgabe. Zu seinem Schaffenswerk zählen Monotypien, Lithographien, Siebdrucke, Holz- und Linolschnitte, Ölmalereien und Aquarelle. Das künstleriche Leben von Paul Schultz-Liebisch kann in drei Phasen unterschieden werden. In der ersten Phase, dem "Nachimpressionismus" liegt der Bezug seiner Bilder auf die "Ostberliner Schule". In der zweiten Phase nahm er Bezug zu den Brücke-Künstlern, einer Künstlergruppe, die als wichtiger Vertreter des Expressionismus und als Wegbereiter der klassischen Moderne gilt. Sie bestand nur wenige Jahre und wurde 1913 in Berlin aufgelöst. Die dritte Phase ist geprägt mit Bildern mit lokalem Kolorit in erzählerischer, vereinfachter Weise. Sie erzählen von seiner Berliner Heimat, reflektiert auf die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts mit "bilderbuchbunten heiteren Berlin-Gemälden" und nennt sie "Berliner Erinnerungen". Publiziert wurden sie u. a. im Buch "Die seltsame Zeit des Knaben Friedrich" beim Kinderbuchverlag Berlin.

Der Schäfer Paul Schultz-Liebischs hatte nicht nur eine treue Anhängerschaft in Ost-Berlin und der DDR, auch der Westteil der Stadt und im restlichen Bundesgebiet gab es Interessierte an der Kunst von Paul. Im jahr 1959 würdigten Westberliner Kritiker Paul Schultz-Liebischs Arbeit als Kunst des einfachen Herzens". Vergleiche zog man mit dem Avantgarde-Künstler Zöllner Rousseau ("Père Rousseau"), den man liebevoll als "kleinbürgerlichen Dilettanten" betitelte und dessen Werke Paul zeit seines Lebens nie im Original zu Gesicht bekam. Auch im Ostteil zogen später Kunsthistoriker zu Rousseau titelten Paul Schultz-Liebischs "berlinischen" Rousseau. Im jahr 1959 brachte der Christians-Verlag in Hamburg ein Buch über den Pankower Künstler heraus. Die Zuordnung seiner Werke zur naiven Malerei waren für Paul stets suspekt und er werte sich auch dagegen, dass seine oft sehr kleinformatigen Bilder als naive Malerei bezeichnet wurden.

Zu Ehren des Pankower Künstlers Paul Schultz-Liebisch wurde hinter dem Rathaus-Center eine Grünfläche auf dem ehemaligen Schulgartengelände in Paule-Park benannt und mit einem Gedenkstein ausgestattet. Teile seiner Werke befinden sich in der Nationalgalerie, der Berlinischen Galerie und der Kunstsammlung von Pankow. Zu seinen wichtigsten Ausstellungsorten in Pankow zählt die Galerie am Prater im Stadtteil Prenzlauer Berg (1979).

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